Autorin Grit Poppe und Zeitzeuge Stefan Lauter waren am 23.3. mit der diesjährigen Prüfungslektüre ,,Weggesperrt" zu Gast in der OSS Waldenbuch.
Gespannt warteten die Zehntklässler im Forum auf die Begegnung mit der Autorin des Buches ,,Weggesperrt" , das zur Zeit Gegenstand des Deutschunterrichts ist. In ihrem preisgekrönten Buch hat die Autorin ein dunkles Kapitel der DDR Vergangenheit verarbeitet: Die Erziehung in den Jugendwerkhöfen der DDR. Der Roman schildert einen wichtigen Abschnitt im Leben der 14-jährigen Anja, das sich schlagartig im Jahr 1988 ändert, als ihre Mutter einen Ausreiseantrag stellt. Während die Mutter von der Stasi verhaftet wird, gerät Anja in die Mühlen der DDR Jugendhilfe. Anja soll zu einer ,,sozialistischen Persönlichkeit" umerzogen werden, die das Machtsystem der SED verinnerlicht. Ihr Leidensweg führt von einem Durchgangsheim zu einem Jugendwerkhof und von dort nach einer Flucht und der Rückführung in den berüchtigten geschlossenen Jugendwerkhof Torgau. Die Geschichte ihrer fiktiven Romanfigur Anja stützt sich auf Berichte ehemaliger Opfer aus Torgau. Stefan Lauter ist einer der Zeitzeugen, deren Erfahrungen Grit Poppe in ihrem Roman verarbeitet hat. Für ihn war Torgau ,,schlimmer als Knast" . So lautet auch der Titel des 30-minütigen Dokumentarfilms, der den Schülern zu Beginn der Lesung gezeigt wurde und der sie mit an den Ort des Grauens nahm. Niemanden im Raum ließ der Anblick der Arrestzelle kalt, in der jeder Neuzugang von Torgau drei Tage lang in Isolationshaft verharren musste mit dem Ziel, den Willen zu brechen. Als Grit Poppe im Anschluss zwei wichtige Textstellen aus ihrem Buch vorlas, unter anderem eine Textpassage, in der sich Anja in Isolationshaft befindet, da brauchte es nicht viel Fantasie, um sich in die Protagonistin hineinzuversetzen. Grit Poppe gab den Schülern danach Gelegenheit Fragen zu stellen, bevor Stefan Lauter mit seinem offenen und unverblümten Erfahrungsbericht über seine Jugend in der DDR und den Erlebnissen in Torgau, die Schüler zu fesseln wusste. Noch drastischer als im Buch schilderte er, wie er Gewalt und Menschenverachtung zu spüren bekam und der Willkür der Erzieher ausgeliefert war. Die Zuhörer spürten, welche seelischen Verletzungen man ihm zugefügt hatte und dass er auch nach mehr als zwanzig Jahren eine Wut auf die ehemaligen Heimerzieher hat. Die interessierten Schüler erlebten eine beeindruckende Lesung, die sicherlich zur weiteren Auseinandersetzung mit dem Buch motivierte.
Ich möchte mich im Namen der Schülerinnen und Schüler ganz herzlich beim Förderverein unserer Schule bedanken, der einen Großteil der Kosten übernommen hat und uns ermöglichte, Grit Poppe und Stefan Lauter an die Schule einzuladen.
I.Starting
