Eines seiner Markenzeichen sind die Seidenschals. Bei unzähligen Auftritten mit seinen Hauptschulklassen, war es für Herrn Wenger kein Problem, seine Jungs mit Seidenschals aus seiner eigenen Schublade auszustatten. Jedes Mal waren die Schüler sehr stolz darauf, dem Erscheinungsbild ihres Klassenlehrers näher zu kommen. Die Mädchen entwickelten sich zu "Damen" und wurden auch so behandelt. Herr Wenger war immer ein Modell, an dem sich "Mann" und "Frau" orientieren wollte und konnte. Sein Stil, sein Auftreten, seine Autorität, seine Werte erschienen den Jugendlichen nachahmenswert. Generationen von Schülerinnen und Schülern wurden seit 1981 von ihm geprägt.
Herr Wenger legte großen Wert auf Rituale. Sein erzieherisches Handeln war im Einklang mit seiner Person und damit stets authentisch und für die Jugendlichen berechenbar.
Herr Wenger war mit Leib und Seele Hauptschullehrer. Es war ihm ein persönliches Bedürfnis, jedem Jugendlichen so viel wie nur möglich mitzugeben. Dabei ging es ihm nie nur um den Lernstoff. Bei Herrn Wenger zählte immer die ganze Person mit all ihren Facetten. Jeder Schüler, jede Schülerin konnte mit seiner Unterstützung zählen. Er hatte die Größe, auch grobes Fehlverhalten zu verzeihen, sobald die Jugendlichen einsichtig und bereit waren, ihre Fehler wieder gut zu machen. Wie ein Löwe kämpfte er für seine Klassen.
Wir müssen auf einen Kollegen verzichten, der mit seiner Erfahrung und seiner Persönlichkeit eine Schlüsselposition unter den Lehrkräften einnahm. Unsere gemeinsamen Erlebnisse im Alltag, bei Festen, Konzerten, großen schulischen Veranstaltungen, der Oper, dem Krippenspiel, seine Stimmgewalt bleiben in unserem Gedächtnis.
Herrn Wenger wünschen wir, dass er die neu gewonnene Muße für sich und seine Familie bei bester Gesundheit nutzen kann, dass er nun auch genügend Zeit für seine ganz persönlichen Interessen hat und dass die anbrechende Lebensstufe ihm all das schenkt, was ihn erfreut und erfüllt.
K. Grafen
