Kinder fordern - nicht unterfordern

„Hilf mir, es selbst zu tun!“

Im Grunde war seine Botschaft einfach, und eigentlich kannte sie auch jeder schon. Sie jedoch aus berufenem Munde zu hören, war dennoch etwas anderes. Und "berufen" ist er, der ehemalige Lateinlehrer und Gründer des Studienhauses St. Blasien im Schwarzwald, Wolfgang Endres. Dazu noch bekannt als Autor und Herausgeber zahlreicher Veröffentlichungen zum Thema Lernen, u. a. der "Endres Lernmethodik" und des bei Eltern und Schülern beliebten Beltz - Lerntrainers "So macht Lernen Spaß". Seit mehr als 30 Jahren beschäftigen sich er und sein Team mit dem Thema "Lernen" und der Frage, wie das persönliche Lernverhalten erfolgreicher gestaltet werden kann. 
Sein Vortrag im gut besuchten Forum der OSS handelte dann auch von diesem sehr 
persönlichen Lernen, das zwar unterstützt und begleitet, nicht aber "abgenommen" werden kann. Schon der Titel seines Vortrags "Jedes Kind ist anders - begabt!" machte es klar: Lernen ist ein sehr individueller Prozess, den jeder selbst durchlaufen muss, und zwar gemäß unterschiedlicher Grundeigenschaften. Diese "4 Farben" des Lernens - Intuition, Kreativität, Logik und Systematik - sind, laut Endres, eine in jedem Menschen angelegte und in individueller Ausprägung vorhandene "innere Disposition und Polung", die sein Lernen bestimmen und ihn somit auch in dieser Hinsicht "einmalig" machen.
In Elternhaus und Schule mit dieser "Einmaligkeit" angemessen umzugehen, ist nicht immer ganz einfach und fordert Eltern und Lehrkräfte heraus. Rezepte aber für einen "richtigen" Umgang damit hielt der brilliante und humorvolle Redner für seine gebannten Zuhörer nicht bereit - eher ein Konzept, aufgebaut auf einer Beziehungskultur, die geprägt wird von Wertschätzung, Anerkennung und Ermutigung auf Seiten der Erwachsenen und der von Anstrengung auf Seiten der Kinder! Und diese Anstrengung dürfe dem Kind nicht "erspart". bleiben, denn Lernen sei ein anstrengender Prozess, der möglichst selbständig geleistet werden müsse und der Selbständigkeit und damit auch Selbsttätigkeit, gerade und vor allem auch die im Denken, voraussetzt. Laut Endres aber werden unsere Kinder von uns - häufig in guter Absicht - geistig verwöhnt, denn wir tun oft des Guten zuviel, nehmen ihnen zuviel ab und machen sie mit zu vielen Erklärungen und zu vielen präzisen Anleitungen "denkfaul". Das heiße nicht, dass Hilfe vollständig "verboten" sei, es sollte jedoch, so seine Aussage, stets weniger Hilfe angeboten werden als (unbedingt) nötig und auch dann eher im Sinne Maria Montessoris als "Hilfe zur Selbsthilfe". 
Was Eltern, Erzieher und Lehrer sonst noch tun können? Den für gemeinsame Erlebnisse, Erfahrung und kooperatives Handeln notwendigen sozialen Kontext herstellen, das Neugierverhalten, die Freude am Erforschen und Erproben wecken, vielfältige Methoden aber auch Systematik und Übung anbieten. Dazu noch die eine oder andere "Paradoxe Intervention" wie die Methode des "Lernens durch Vergessen" (du darfst 5 Vokabeln ganz schnell vergessen, schreibe sie mir aber auf, damit ich weiß, welche!) und den einen oder anderen Kniff, Trick und Tipp für Schüler, Eltern und Lehrer aus seinem reichhaltigen Bücherangebot - und Zeit, genügend Zeit um das Lernen zu lernen! 
Für die anwesenden Lehrkräfte aber hielt er einen Trost bereit: bei aller menschlichen interindividuellen und intraindividuellen Vielfalt wäre es Eltern und Schule schlicht unmöglich, alle Kinder immer gleich gut zu "erreichen". Wie im wahren Leben ist der Königsweg wohl auch hier "bunt" -gepflastert mit roten, gelben, grünen und blauen Angeboten! 

 Danke, lieber Wolfgang Endres, für d(ies)en Tipp!  

und für einen "aufgeräumten" informativen, interessanten und kurzweiligen Vortrag!
Wir haben viel gelernt und gelacht- und auch das gehört zum Lernen!

Ein herzliches Dankeschön aber auch an den Förderverein der Oskar-Schwenk- Schule für einen spannenden, erlebnisreichen und kurzweiligen Abend!

Für die Schulleitung von Ingrid-Barbara Hoffmann