Lehrkräfte auf der Schulbank

Lehrkräfte auf der Schulbank -ein Wochenende für die (eigene) Bildung!

"Diskutieren Sie mit Ihrem Partner oder in der Kleingruppe, was Sie gehört und gesehen ha-ben und schreiben Sie auf, wo Sie jetzt stehen. Auf den grünen Kreisen notieren Sie bitte, was Ihnen in jahrgangsgemischten Eingangsklassen gut gefällt und bilden Sie daraus auf der Stellwand eine grüne Wiese! Gibt es jedoch Dinge, die Ihnen beim Gedanken an einen jahr-gangsübergreifenden Unterricht noch "Bauchweh" bereitet, dann schreiben Sie es bitte hier auf die "Dickbäucher!"
Frau Weingand, die Referentin, ist, wie eigentlich den ganzen Lehr-gang über, auch jetzt, kurz vor Lehrgangsende, in voller Aktion. Sie läuft von Platz zu Platz und verteilt neben grünen Kreisen und gelben, mit etwas griesgrämig wirkenden Strichmänn-chen bedruckten, Zetteln auch noch orangefarbene "Hürden", denn sollte jemand auf dem Weg zur jahrgangsgemischten Klasse noch irgendwelche Hürden sehen, müssten auch diese aufgeschrieben werden. 21 Köpfe neigen sich einander zu, schwarze Stifte werden gezückt und nach eifriger Diskussion werden Kreise, Männchen und Hürden mit Argumenten be-schriftet. Das ist nicht so ganz einfach, waren doch dreierlei Modelle und Konzepte vorge-stellt und diskutiert worden und hatte man doch wieder einmal gesehen, dass es auch hier, wie fast überall in der Pädagogik, keinen Königsweg gab.
Bald ist eine "grüne Wiese" gebildet; auf den Kreisen wird durchweg die Sozialkompetenz der in gemischten Klassen gemeinsam lernenden Schülerinnen und Schüler gelobt, ihr Umgang miteinander, ihre Selbständigkeit. Überhaupt wird die Entwicklung der Personalkompetenz in jahrgangsübergreifenden Klassen sehr positiv gesehen.
Daneben aber füllt sich schnell eine ganze Stellwand mit gelben und orangefarbenen Quadraten. Ja, man hat "Bauchweh", es werden Hürden gesehen, und es gibt genügend stichhaltige Argumente dafür, dass sich bei den Teilnehmern die Begeisterung für die eine Jahrgangsmischung in Grenzen hält.
Für den Kurs aber gilt dies nicht - nirgends hatte es "Hürden" gegeben, und in der entspannten und offenen Atmosphäre konnte "Bauch-weh" gar nicht erst aufkommen; auch wenn man sich eine Mischung von Erst - und Zweit-klässlern in unserer Schule noch nicht ganz so vorstellen kann, so waren Gestaltung und In-halt dieses "Wunschkurses" doch im grünen Bereich". Sich zusammen mit den Kolleginnen und dem Kollegen über aktuelle pädagogische Konzepte zu informieren, sein eigenes zu re-flektieren, evaluieren, durch neue Impulse anzureichern und ggf. zu korrigieren - war einfach "klasse!" Da machte es auch nichts aus, dass man am Samstag Vormittag bei strahlendem Sonnenschein im kleinen Hörsaal der Landesakademie für Fortbildung und Personalentwick-lung an Schulen in Donaueschingen saß, inmitten blühender Bäume, saftig grüner Wiesen und unweit der Donauquelle!
Man brauchte sich einen Tag lang um nichts anderes zu kümmern, als pädagogische Fragen. Und das wurde ausgiebigst genutzt. Ob beim Kaffeetrinken, A-bendbrot, Frühstück oder Mittagessen, es gab nur ein Thema: Schule, Unterricht, Schüler - Herr Rau im Kultusministerium hätte seine wahre Freude gehabt!
Bei soviel Engagement war es deshalb nicht verwunderlich, dass Frau Grafen, als sie nach nachmittäglicher Dienstbespre-chung in Böblingen, "ihr "Grundschulkollegium" besuchen kam, dieses um 19.00 Uhr nicht etwa beim abendlichen Spaziergang antraf, sondern beim Studium von Mathematikmateria-lien. Das war ein dickes Lob wert! Und diesem schloss sich auch die Referentin an, die es einfach gut fand, dass sich ein Kollegium gemeinsam auf die Schulbank setzt, zusammen Antworten auf drängende Probleme und Fragen sucht, nach möglichen Lösungsansätzen forscht und Erkenntnisse in gemeinsamer Verantwortung umsetzt.
Jahrgangsmischung an unserer Schule? Momentan sprechen die Menge der gelben "Bauchwehmännchen" und oran-gefarbenen "Hürden" noch eine zu deutliche Sprache. Weitere Öffnung des Unterrichts je-doch, vermehrter Einsatz individualisierender Arbeitsformen, verstärkte Förderung des selb-ständigen, selbst verantwortlichen Lernens, klassen-übergreifende Projekte und Kurse - der Weg ist bekanntlich auch schon ein Ziel. Wir sind auf diesem Weg, gemeinsam mit dem gan-zen Kollegium unserer Schule!