Zeitzeugin des Holocaust

Rachel Dror -

In der 10. Realschulklasse steht im Fach Geschichte das Dritte Reich auf dem Lehrplan. Auch in Religion werden die Verbrechen der NS-Zeit thematisiert. Ein Besuch der Synagoge in Stuttgart und einer im KZ Dachau sind geplant.
Am Bewegendsten sind persönliche Begegnungen mit Menschen, die dieses dunkle Kapitel unserer Geschichte selbst erlebt haben. Rachel Dror stand am 18. Dezember 2009 lebhaft, voller Energie mit optimistischer Ausstrahlung vor unseren Zehntklässlern. Sie erzählte ihre persönliche Familiengeschichte aus der Nazizeit. Rachel Dror hat früh erfahren, wie man sich fühlt, aufgrund der Religionszugehörigkeit als Außenseiterin gebrandmarkt zu sein, entrechtet und verfolgt zu werden. Bis auf ihren Bruder, der rechtzeitig nach England reisen konnte, verlor Rachel Dror alle Familienmitglieder, auch ihre Eltern, in Ausschwitz.
Rachel Dror betont immer wieder, dass sie ohne Hass auf die Deutschen hier leben kann und das gute Miteinander aller Menschen - egal welcher Religion/Nationalität sie angehören - ihr eine Herzensangelegenheit ist, da alle Menschen Geschöpfe Gottes sind. Rachel Dror spricht nicht mit erhobenem Zeigefinger und nicht so, als ob unsere Zehntklässler eine Schuld zu tragen hätten. Das Wichtigste im Leben sei, "human zu sein", auf andere zu achten und einzuschreiten, wenn jemandem ein Unrecht widerfährt. Ein solches Versprechen würde sie den Jugendlichen am liebsten abnehmen. Niemand soll wie damals wegschauen oder sagen dürfen: "Das geht mich nichts an."
Wir danken Herrn Teufel, der den Kontakt mit Frau Dror aufgenommen hatte. Die konzentrierte Aufmerksamkeit über eineinhalb Stunden und die einfühlsamen Rückfragen der Zehntklässler zeigten, dass Frau Dror 80 junge Menschen mit ihrer Botschaft erreichen konnte. Das ist ihr Lohn genug für ihre Mühe.
Wir wünschen Frau Dror im Jahre 2010 alles Gute und hoffen, dass sie wieder an unsere Schule kommen kann, um den geschichtlichen Daten ein "humanes" Gesicht zu geben.

K. Grafen