Die Schülerinnen und Schüler der fünften Klassen sind paarweise auf Matten im Forum der Oskar-Schwenk-Schule verteilt. Die Hälfte liegt auf dem Rücken, die anderen knien direkt neben ihnen. Auf ein Signal hin stürzen sich die Knieenden auf die Liegenden und überall auf der klassenzimmergroßen Matte entspinnen sich erbitterte Raufereien. Wieder ein Signal und alle lassen sofort voneinander ab, die Positionen werden gewechselt und dann beginnen die Kämpfe.
Die Schülerinnen und Schüler der fünften Klassen der Oskar-Schwenk-Schule (OSS) sind aber nicht zum Abbau von Stress oder zur Flucht aus dem Schulalltag hier und es geht auch nicht um das körperliche Austragen von Konflikten im Klassenverband. Sie sind hier, weil sie am Projekt „Respekt“ teilnehmen.
Das Kämpfen nach Regeln soll unterschwellige Konflikte lösen.
Das ist eine Gewaltpräventionsschulung, die Eugen Keim entwickelte. Er ist derjenige, der die Signale gibt und den Schülern zeigt, wie sie Kampfkunst und Entspannungsübungen zur Prävention einsetzen können. Die Schülerinnen und Schüler lernen in den Stunden, Entspannungstechniken aus dem Tai-Chi mit den Kampfsportarten Jiu-Jitsu und Judo zu kombinieren, um so Entspannung und Kampfkunst zu vereinen. Dabei werden Werte wie Respekt und Fairness im Umgang miteinander vermittelt. Eugen Keim bietet Kampfkunst und die damit verbundene Prävention durch das Projekt „Respekt“ an. Dieses Projekt ist im Sozialcurriculum „Optimistisch stark sein“ der erste Baustein sein, an dem sich alles weiter orientiert.
Doch wie soll Gewaltprävention durch das Erlernen von Kampftechniken funktionieren? Der Körperkontakt und das Kämpfen nach klaren Regeln können unterschwellige Konflikte, wie z.B. bei Mobbing, lösen. Die Übungen führen zu Respekt voreinander. Zudem bieten sie die Möglichkeit, den eigenen Körper zu erfahren und mehr Respekt dem Gegenüber zu vermitteln.
Natürlich ist das Projekt „Respekt“ etwas für Mädchen und Jungen. Dadurch, dass Mädchen oft angepasst sind, können diese auch einen eigenen Vorteil aus dem Projekt ziehen. Mit der Kampfkunst können sie ihre Selbstwirksamkeit erfahren und lernen, für sich einzustehen.
Disziplin ist ein sehr wichtiger Baustein des Projekts „Respekt“. Die Gesellschaft bietet heute unzählige Möglichkeiten und Freiheiten, aber nur wenig Orientierung. Junge Menschen suchen jedoch oft gerade diese. Deshalb versucht das Projekt, Disziplin als positives Gefühl zu vermitteln.